Reinhold Adt / Anja Luithle

 

Im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit von Anja Luithle steht der Mensch. Doch dieser glänzt im Werk der Bildhauerin gemeinhin mit Abwesenheit. Stattdessen entwickelt sie vielmehr eine selbständige Eigenwelt der Dinge, welche wir im alltäglichen Leben und Gebrauch zu beherrschen meinen, die jedoch solipsistisch verspielt und ironisch gebrochen zugleich wirkt. Im so entstehenden ambivalenten Imaginationsraum zwischen einer überindividuell gültigen Poetik des Selbstseins der Sachen und der ihnen immer auch eingeborenen Monstrosität des Materiellen und deren (Ab)Nutzung durch den Menschen im Alltag schicken sich nun die Dinge augenfällig an, den Aufstand zu proben. In die alle möglichen Materialien umfassende Travestie des Gewohnt-Gewöhnlichen bezieht Anja Luithle dabei die einschlägigen Attribute des je Weiblichen und je Männlichen ein: (e)rotierende Roben und aufrührerische Kochtopfensembles, derwischtanzende Staubwedel und kinetische Kehrwocheninstallationen treffen da auf phallisch sich entfaltende und wieder niedlich klein zurückschrumpfende Krawattenmaschinerien; aufsässig still – höchstens geheimnisvoll raunend – verfolgen gar ganze Koffer voller unbekannter Bildideen den Ausstellungsbesucher noch auf Schritt und Tritt durch den Schauraum.

 

 

Reinhold Adt präsentiert Bekenntnisse und Programme von Künstlern, die ihr eigenes Metier und ihre Arbeit zu widerlegen scheinen. Das ist weder satirischer Gag noch bespiegelte Schadenfreude, denn seit hundert Jahren gilt, dass Bedeutung und Ernsthaftigkeit des wissenschaftlichen wie künstlerischen Schaffens nur dadurch nachzuweisen sind, dass man die eigenen Aussagen falsifiziert. Nur Dogmatiker und Fanatiker berufen sich noch auf die Wahrheit. Alle Vernünftigeren beziehen sich auf die unbekannte Wahrheit, indem sie die Feststellung zu treffen versuchen, mein Bild, meine These, meine Selbstrechtfertigungen sind falsch, unzulänglich und mutwillig. Auf diese Feststellung der Falschheit ist Verlass; mehr als solche Verbindlichkeiten können schließlich auch die Beschwörer selbst der absoluten Wahrheit nicht erreichen wollen.