Archiv der Kategorie: Rückblick 2014

Thomas Arnolds

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In seiner Generation gehört Thomas Arnolds zu einer Handvoll Künstlerinnen und Künstlern, die die Malerei einer kritischen Überprüfung unterziehen und ihre bis heute ungebrochenen Möglichkeiten wieder in den Blick bringen.

 

Einem größeren Publikum ist Arnolds durch Ausstellungen wie Der Westen leuchtet 2010 im Kunstmuseum Bonn oder die 2009 neugehängte Sammlung des Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen bekannt geworden. Und nachdem er auch schon in Wo ist hier? #1: Malerei und Gegenwart zu sehen war, freuen wir uns nun, seine erste institutionelle Einzelausstellung auszurichten.

 

Umso mehr, da diese gemeinsam mit der parallel eröffnenden, raumgreifenden Installation der jungen Bildhauerin und frisch an die Karlsruher Akademie berufenen Professorin Kalin Lindena den Auftakt für die kommenden Einzelpräsentationen junger, richtungsweisender Künstlerinnen und Künstler gibt, die in Zukunft für den Kunstverein erdacht und gemacht werden.

 

Eigens für Reutlingen hat Arnolds im vergangenen Jahr nun mehr als 20 reinweiße Gemälde geschaffen. Und dabei geschieht Erstaunliches. Die Bilder werden zu Orten reinen Erscheinens: auf derselben Fläche entstehen aus derselben Farbe feinste Texturen, Formen und Strukturen, die im hellen Eigenlicht des Weiß wie ungeprägte Ausdruckspartikel, noch vor jeder Bedeutung oder gegenständlichen Zuschreibung, erscheinen.

 

In solcher Schwebe halten sich die Bilder und zeigen uns ihre allmähliche Verfertigung im Sehen. Zeigen, wie sich aus vereinzelten Elementen zunächst neue Worte, dann zusammenhängende Sätze und schließlich eine ganz eigene Sprache bilden. Denn darum geht es doch. Um die Frage, wie man als Maler immer neu und doch beständig im Selben zur eigenen Sprache, zum eigenen Bild gelangt.

 

Und das ist gleichermaßen Thomas Arnolds’ Herausforderung und Einladung an uns: die Bilder wieder als Bilder, die Malerei selbst zu sehen.

 

 

Anlässlich der Ausstellung erscheint bei Holzwarth Publications Berlin ein umfangreicher Katalog mit einem Gespräch zwischen Thomas Arnolds und Heide Häusler sowie Texten von Thomas Groetz und CM.
 
 
Thomas Arnolds
1975 geboren in Geilenkirchen. 1997–2001 Ausbildung und Tätigkeit als Steinbildhauer und Kirchenrestaurator. 2001–2005 HBK Braunschweig. Er lebt und arbeitet in Köln.
 
ausgewählte Einzel- und Gruppenausstellungen
2014 Kunstverein Reutlingen. Alte Fabrik, Rapperswil. Neue Galerie Gladbeck. 2013 Regina Sprüth, Köln. Galerie Hammelehle und Ahrens, Köln. 2012 b-05 Montabaur. Neuer Pfaffenhofener Kunstverein. 2011 Kunstsaele Berlin. Klondike Institute of Art, Dawson. 2010 Kunstmuseum Bonn. 2009 Jagla, Köln. Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam.

 

 

Kalin Lindena

KL

Die Bildhauerin und jüngst als Professorin an die Karlsruher Akademie berufene Kalin Lindena macht den Kunstverein zum Schauplatz einer weitläufigen, für Reutlingen ersonnenen Installation.

 

Mit halbtransparenten Vorhängen stattet sie 400 qm unserer lichten und freitragenden Halle aus und verwandelt diese in eine farbrauschende Bühne. Und wirklich, wie ein Bühnenprospekt umsäumen die Vorhänge die Ausstellungsfläche und machen sie zu einem Auftrittsort: nicht bloß für die abstrakten, zeichnerisch-linearen Plastiken, die spielerisch an verschiedenen Stellen im Raum auftauchen, sondern gerade auch für uns.

 

Schon beim Betreten befinden wir uns inmitten von Lindenas plastischen ›Statisten‹, die uns allerdings auffordern, die ›statische‹ Betrachterposition zu verlassen und selbst zu Protagonisten zu werden. Im Anschluss an Oskar Schlemmer gestaltet Lindena so einen choreografischen Parcours und lädt uns ein, aktiv auf eigenen Wegen den Raum zu erkunden und unseren eigenen Ort darin zu finden.

 

Die Vorhänge bilden dabei eine lebendige Verbindung zwischen Innen und Außen. Tagsüber fällt das Licht herein und erleuchtet die Installation, bei der frühen Wintersdunkelheit öffnet sich der institutionelle Raum und strahlt weithin sichtbar in den öffentlichen Raum. Ausgang dafür ist Hans Jantzens (1881–1967) am Kirchenfenster entwickelter Begriff der »diaphanen« oder durchscheinenden Struktur, die durch das farbige Licht, das im Glas oder eben im Stoff steckt, Innen- und Außenraum, das Nahe und das Ferne, Kunst und Lebenswelt in sich vereint und wechselseitig erhellt.

 

Deshalb freuen wir uns sehr über Kalin Lindenas Installation, die zusammen mit der parallelen Ausstellung des Kölner Malers Thomas Arnolds den Auftakt für die kommenden Einzelpräsentationen junger, richtungsweisender Künstlerinnen und Künstler gibt, die in Zukunft für den Kunstverein erdacht und gemacht werden.

 

 

Im Laufe der Ausstellung erscheint ein reichbebilderter Katalog, mit Beiträgen von Susanne Kaufmann (Staatsgalerie Stuttgart), Lina Launhardt (Autorin und Kuratorin, Berlin) und CM.
 
 
Kalin Lindena
1977 geboren in Hannover. 1997–2004 HBK Braunschweig. 2009 Villa Romana-Preis. 2010 Sprengel-Preis. 2011 Erich-Hauser-Preis. Seit 2014 Professorin an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Karlsruhe.
 
ausgewählte Einzel- und Gruppenausstellungen
2014 Kunstverein Reutlingen. 2013 Galerie Nagel Draxler, Köln. 2012 Städtische Galerie Nordhorn. Tanja Pol Galerie, München. 2011 Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil. Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe. Kunstmuseum, Stuttgart. 2010 Sprengel Museum, Hannover. K20, Düsseldorf. Kunstmuseum Wolfsburg. 2009 Kunstmuseum Bonn. Cubitt, London. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden. 2008 Kunstverein Heilbronn. Oldenburger Kunstverein, Oldenburg.
 
 
 
Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch:
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Hugo Häring-Auszeichnung 2014

HHIm Gedächtnis an Hugo Häring vergibt der Landesverband Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten BDA seit 1969 den Hugo Häring-Preis für vorbildliche Bauwerke.
Im Jahr zuvor zeichnen die einzelnen BDA Kreisgruppen gemeinsam Bauherren und Architekten auf regionaler Ebene für herausragende Bauten aus, die sich in der Folge für den großen Hugo Häring-Landespreis qualifizieren.
Die Auszeichnung besteht aus einer Urkunde und einer Plakette für das jeweilige Bauwerk.

 

 

»In den zwanziger Jahren gehörte Hugo Häring (1882–1958) neben Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, Erich Mendelsohn, Martin Wagner, Bruno Taut und Hans Scharoun zur Avantgarde der deutschen Architekten.
Der gebürtige Schwabe ließ sich 1921 in Berlin nieder und begründete mit Mies und anderen die Architektenvereinigung »Der Ring«, die das »Neue Bauen« für ein modernes Deutschland auf den Weg brachte.
Häring beteiligte sich an den maßgeblichen städtebaulichen Diskussionen der zwanziger Jahre. Er forderte u.a. die Zurücknahme der individuellen Handschrift beim Entwurf und propagierte eine Berücksichtigung der unterschiedlichsten Gestaltungskräfte.
Dem Purismus der klassischen Moderne setzte er die Idee eines organischen Bauens entgegen.
Die Natur sollte den Bauten ihre Form zuweisen, die Kunst im Gegenzug sollte sich gegenüber der Natur ihren Raum schaffen.«

Claudia Schwartz

 

 

Gemeinsam mit dem BDA Neckar / Alb freuen wir uns, die Wettbewerbsbeiträge für die Hugo Häring-Auszeichnung 2014 zu präsentieren und in einem Festakt die ausgezeichneten Bauten zu prämieren.

 

 

 

Wo ist hier? #1: Malerei und Gegenwart

Wih_Plakat
Thomas Arnolds
Tjorg Douglas Beer
Michael Biber
André Butzer
Ralf Dereich
Hedwig Eberle
Sophie von Hellermann
Lothar Hempel
Franziska Holstein
Friedrich Kunath
Monika Michalko
Michael Riedel
Christoph Ruckhäberle
Adam Saks
Philipp Schwalb
Henning Strassburger
Claudia Wieser
Ulrich Wulff

 

Mit der programmatischen Frage nach der Gegenwart – »Wo ist hier?« – positioniert sich der Kunstverein 2014 neu, um in den kommenden Jahren beantworten zu können, wie uns die Kunst im 21. Jahrhundert noch einen Zugang zur Welt ermöglichen oder sogar Welterklärungen liefern kann.
Kunst ist kulturelles Gedächtnis und Seismograf für das Neue einer sich rapide verändernden und nur wenig Halt oder Orientierung bietenden Welt. Deshalb ist auch unsere Arbeit, seit über 60 Jahren und mehr als 300 Ausstellungen der Förderung und Vermittlung der Gegenwartskunst verpflichtet, noch lange nicht abgeschlossen.

 

Dafür bilden zwei Gruppenausstellungen zu Malerei und Bildhauerei (»Wo ist hier? #2: Raum und Gegenwart« folgt im Herbst 2015) die thematisch-inhaltliche Klammer. Sie geben einen vielfältigen Überblick über die jüngsten künstlerischen Entwicklungen und Strömungen nach 2000 und treffen zugleich eine erste kritische Auswahl der herausragenden Positionen, Werke und Persönlichkeiten.
Nach der Gegenwart befragt sind dabei:
a) die Künstlerinnen und Künstler (Was sind Motive und Ausdrucksweisen, Einflüsse, Themen und Möglichkeiten?),
b) wir alle als Betrachter (Wo stehen wir in der Welt? Wie wollen wir leben? Was hoffen?) und
c) der Kunstverein selbst (Wie kann eine Institution der Kunstvermittlung klassische Ausdrucksformen wie Malerei und Skulptur in einer immer digitaleren Welt behaupten?).

 

Den Anfang macht: »Wo ist hier? #1: Malerei und Gegenwart«!
Eine Ausstellung, die von den Grenzen her gedacht ist, von dort, wo ein Gemälde gerade noch Malerei ist oder eben gerade erst. Eine Ausstellung, die konfrontativ angelegt ist und äußerst konträre Ausgangssituationen, Stile und Haltungen offen gegeneinander – und damit doch zueinander – führt.
Und wenn man die Antwort auf die Frage nach der Gegenwart zuletzt wohl nur für sich persönlich finden kann – Gegenwart als das je eigene Dasein zwischen Herkunft und Zukunft –, ist es genau dies, worin die Herausforderung besteht.
Ganz wie der französische Philosoph Louis Althusser schon 1977 in »Machiavellis Einsamkeit« fragte: Wie gelingt es, das Neue in der völligen Abwesenheit seiner Bedingungen zu denken?

Übergänge

 

Die Ausstellung zeigt in vier einander ergänzenden EInzelpräsentationen die fließenden Übergänge vom Gesehenen, Gefühlten oder Gedachten hin zum Kunstwerk: Jessica Buhlmann (* 1977), frisch gekürte Trägerin des art Karlsruhe-Preises 2014, entwickelt ihre Bilder aus architektonischen Versatzstücken und im Malakt entstehenden Zufallsformen, so dass auch die Betrachtung schwankt zwischen tatsächlichem Gegenstand und abstrakt schweifender Fantasie. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Ingrid Floss  (* 1970) vertraut ganz dem freien Gestus der Farbe mit ebenso sanften wie eigenwilligen Kontrasten, Geschwindigkeiten und Assoziationen; ihre Bilder ahmen die Natur nicht nach, sondern sind schon nahezu naturhaft in ihrem Werden und Vergehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Wolfgang Flad (* 1974) biomorphe Skulpturen und Installationen ranken und verästeln sich im Raum, so flüchtig wie Rauch oder schwelgende Gedanken und doch so beständig wie Korallenriffe oder selbst noch versteinert blühende Urzeitpflanzen. Torben Giehler (*1973) ist ein Maler virtueller Räume und Architekturen. Seine Bilder sind verschachtelte Orte, aus einer Vielzahl von transparenten Schichten gebaut. Das, was eben noch Halt bot, löst sich im nächsten Augenblick auf und gibt den Blick frei auf die nächste Hyperebene.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peter Lang

Peter Lang ist Landschaftsmaler. Mit einem zum mobilen Atelier umgerüsteten Hochseecontainer begibt er sich direkt ›auf’s Motiv‹. Zuletzt für ein Jahr an den Polarkreis nach Island. Dort malte er zwischen kargen Gletschern und Vulkanen, schroffen Fjorden, sanften Wiesen und harschem Wind eine Serie von etwa einhundert Bildern und ließ die gesehene Landschaft in Farbe übergehen.  Nach den ersten Motivschichten bringt Lang mit einer Schlagschnur reines Pigment auf, das die Landschaft in unzähligen Lagen und Zeilen staffelt.

 

Das feine Zu- und Auseinander der offen schwingenden und sich umspielenden Farbnuancen – etwa von luftigem Ocker über türkise und fliederne Töne zu schillerndem Perlmutt. Die klaren Grenzen der Dinge und Landstriche lösen sich bald in Dunst oder gleißenden Reflexionen auf, nur um sich an anderer Stelle wie im Gegenlicht von Neuem zu festigen.  Doch Peter Lang zeigt weit mehr als bloße Landschaften. Er nimmt den fortwährenden Wechsel des Lichts, der Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreszeiten auf, der immer auch ein Wechsel der Stimmungen ist, und macht diesen im Bild und im Betrachter sinnlich erfahrbar.

 

Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit den Städtischen Galerien Regensburg und Rosenheim. Begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Barbara Hindahl

Barbara Hindahls Thema sind die Zeichen und Symbole der digitalen Welt, die inzwischen unser gesamtes Leben bestimmen. Sie fragt, was die Digitalisierung des Alltags mit uns tut. Können wir uns der digitalen Zeitenwende entziehen oder prägt sie uns doch, ob wir es wollen oder nicht? Das Digitale mag sich klar, geordnet und verbindlich geben, doch gerade im Alltag öffnet es nach wie vor eine diffuse Grauzone, verschlüsselt, kryptisch und mit rätselhaften Codes. Und mehr noch, was geschieht, wenn die Computer, Maschinen und Prozesse, die eigentlich Orientierung und Erleichterung bringen sollten, einmal nicht funktionieren, Aussetzer haben oder fehlerhaft laufen?

 

In ihren filigranen Zeichnungen und raumgreifenden Installationen untersucht Barbara Hindahl die Eigentümlichkeiten, Unfälle und Verschiebungen, die fortwährend bei den Übersetzungen zwischen der Welt des Digitalen und dem alltäglichen Leben passieren. Denn das, was zunächst wie technische Drucke, Makulaturseiten oder Millimeterpapier erscheint, gibt sich bei genauem Hinsehen als äußerst subtile und fragile Handzeichnungen zu erkennen. Lineaturen, Schraffuren und Gespinste, die sich bald zart, bald scharf oder schroff der schlichten Logik eines digitalen Erzeugnisses entziehen. Barbara Hindahl richtet die Ausstellung in Reutlingen als Parcours der Wahrnehmung ein, mit unerwarteten Wendungen, ungehörigen Perspektiven und ungeahnten Einsichten. Denn gerade, wenn die Dinge schief laufen, bemerkt man, was das eine mit dem anderen zu tun hat, was wirklich hilft und was medialer Aberwitz ist.